Das Mittagsgebet

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Das Wort - gebetet und ausgelegt

Das heutige Stundengebet, so wie wir es kennen, wurde durch die apostolische Konstitution Laudis Canticum festgeschrieben, veröffentlicht von Papst Paul VI am 1. November 1970, um die durch das II. Vatikanische Konzil  in der dogmatischen Konstitution über die Liturgie (Sacrosanctum Concilium) vorgeschlagenen Reformen umzusetzen. Diese Schrift fasst unter anderem zur Tagesmitte die drei Stundengebetszeiten der Terz, Sext und Non (um 9 Uhr, 12 Uhr und 15 Uhr gesungen) zusammen. Dies ist auch der Fall bei den monastischen Gemeinschaften von Jerusalem (s. Warum drei Gebetszeiten am Tag?)

 

Doch, da es sich in unserem Fall um eine Liturgie handelt, die für das Volk Gottes offen ist, wollten wir diese Gebetszeit anreichern und ihr einen pastoralen Schwerpunkt geben. Daher erklärt sich die Einfügung einer spirituellen Lesung, gefolgt von der jeweiligen Tageslesung, die im Anschluss von einem Bruder oder einer Schwester kommentiert wird. Die Entscheidung fiel darauf, im Laufe des Tages zweimal die Texte des Tages zu lesen, anstelle eine kontinuierliche Lektüre der biblischen Texte zu halten - dies könnte auf Unverständnis bei den teilnehmenden Gläubigen stoßen, die nicht notwendigerweise jeden Tag kommen und so viele Stellen, durchaus auch schwierige Passagen,  losgelöst vom Kontext hören würden. So lesen wir das Evangelium in den Laudes und während des Wortgottesdienstes der Heiligen Messe, und die Tageslesung ebenfalls im Wortgottesdienst und im Mittagsgebet. Durch die Ordnung der Lesejahre lesen wir also die gesamte Heilige Schrift innerhalb von zwei Jahren einmal. So kann das Wort Gottes, kommentiert durch die zwei täglichen Auslegungen am Mittag und am Abend, den Tag ganz durchdringen und bewohnen.

 

Das Mittagsgebet beginnt, wie alle anderen Gebetszeiten, mit einer Anrufung des Heiligen Geistes (s. Warum ein Gesang zum Heiligen Geist am Beginn der Gebetszeiten?): entweder mit dem byzantinischen Troparion "Himmlischer König und Tröster" oder mit dem zeitgenössischen "Zur dritten Stunde des Tages". Dann folgt ein Hymnus, angepasst an den Tagescharakter und die liturgische Farbe, anschließend der traditionelle Gesang der Psalmen - drei Psalmen und ein Canticum aus dem Alten Testament. Nach der folgenden spirituellen Lesung leitet eine Akklamation mit Vers zur biblischen Lesung über, die mit der Tageslesung übereinstimmt. Es schließt sich ein kurzer Kommentar an mit einem Moment der Stille. Dann beten wir die Fürbitten und das Trishagion (s. Was ist das Trishagion?).  Der Abschluss ist in allen Gebetszeiten gleich: Vater Unser, Tagesgebet und Entlassung. Beim Mittagsgebet beten wir nun noch gemeinsam den Angelus.

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