Liturgische Haltungen

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Ein Körper für das Gebet (Teil 1)

Wenn es eine Religion der Inkarnation gibt, so ist dies das Christentum. "Das Wort ist Fleisch geworden" (Joh 1,14); und der Körper, zur Auferstehung bestimmt, ist bereits durch die Taufe Tempel des Heiligen Gestes geworden. Die Liturgie kann deshalb nicht von dieser Bestimmung des Menschen absehen, wo Körper und Geist bereits gerettet sind. Die Teilhabe des Körpers an der Liturgie entspricht auf jeden Fall der spontanen menschlichen Tendenz, dass sich Gefühle auch durch Haltungen oder Gesten ausdrücken, und dass, anders herum, eine Haltung oder Geste ebenfalls das Mittun des ganzen Menschen ausdrückt und seine innere Anteilnahme verstärkt. Auch wenn dies im modernen Westen manchmal vergessen wurde, so bezeugt doch die Tradition eine reichen Schatz an liturgischen Haltungen mit ihren je eigenen Bedeutungen.

 

 

Stehen ist die Grundhaltung. So war es bereits beim jüdischen Gebet, wie einige Stellen der Evangelien zeigen, beispielsweise Lk 18,11: "der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet...". Diese Haltung wurde von den ersten christlichen Gemeinschaften übernommen. Zuerst, weil es Respekt zum Ausdruck bringt: man steht auf, wenn der Zelebrant einzieht, ebenso, wie man stehend der Verkündigung des Evangeliums zuhört, so wie die Israeliten stehend das Wort Gottes hörten ("Der Priester Esra öffnete das Buch vor aller Augen. Als er das Buch aufschlug, erhoben sich alle." Neh 8,5). Doch vor allem, weil das Stehen eine österliche Haltung ist: aus Sünde und Tod befreit sind wir nicht mehr Sklaven, sondern Kinder, und deshalb haben wir vor Gott Vertrauen, wie freie Menschen. Für die ersten christlichen Generationen schien es so bedeutend zu sein, wie Auferstandene zu beten (das griechische verwendet oft das Verb "sich erheben" oder "sich aufrichten", um über die Auferstehung zu sprechen), dass es am Sonntag und in der Osterzeit verboten war, sich hinzuknien (vgl. Justin, Apologien 1,65,5; Tertullian, über das Gebet 23; Basilius, Abhandlung über den Heiligen Geist 27 ...). Schließlich sei noch gesagt, dass das Stehen eine eschatologische Bedeutung hat: es ist die Haltung derer, die die Parusie erwarten, bei der sie sich " erhobenen Hauptes" (vgl. Lk 21,28) vor dem Menschensohn zeigen werden, und die Haltung der Erwählten im Himmel, die "vor dem Thron und vor dem Lamm" (Offb 7,9) stehen. Deshalb singen die Gemeinschaften von Jerusalem alle Gebetszeiten stehend und zum Altar hingewendet, der Christus repräsentiert. Sie folgen damit dieser Tradition, die sich im chrsitlichen Osten ebenfalls erhalten hat.

 

Sitzen ist die Haltung des Zuhörens: "Marie aber setzte sich zu seinen Füßen und hörte ihm zu" (Lk 10,39). So passt es zum Hören der Lesungen, nicht des Evangeliums, und der Predigt. Aber ebenso für für die Zeiten des Stillen Gebets oder der stillen Betrachtung. bei "Jerusalem" besteht in der Regel - je nach Kirche - die Wahl, sich dazu auf einen Hocker (Stuhl, Kirchenbank) oder direkt auf den Teppich zu setzen; dazu finden sich Gebetsbänkchen.

 

Die Prosternation (das sich auf den Boden werfen) ist eine eher seltener Haltung. Auch wenn sie oft in der Heiligen Schrift Erwähung findet, ist sie in der römischen Liturige nur für bestimmte Riten bewahrt worden wie für die Priesterweihe und die Professen der Klöster beim Gesang der Allerheiligenlitanei.

 

Dagegen ist die Verneigung sehr viel häufiger und kann verschiedenes zum Ausdruck bringen. Eine tiefe Verbeugung begleitet die Doxologie (beispielsweise am Ende eines Psalms), bei der die Ehre Gottes besungen wird; und sie bekräftigt die Haltung der Anbetung und Verehrung, beispielsweise bei der Elevation der konsekrierten Hostie oder vor dem Allerheiligsten. So ist es im rechten Sinn zu verstehen, dass als Antwort auf die Inzenz mit Weihrauch eine leichtere Verneigung passend ist.

 

Sich Hinknien schließlich ist eine Haltung der Reue. Nach dem Heiligen Basilius heißt sich hinknien, "zeigen, dass die Sünde uns zu Boden geworfen hat" (vgl. Basilius, Abhandlung über den Heiligen Geist 27). So ist sie passend, um das Bußsakrament zu empfangen, oder für Zeiten des persönlichen Gebets. Die westliche moderne Frömmigkeit hat sie in gewisser Weise als Ersatz für die Verneigung bei der Verehrung der Eucharistie gewählt.

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