Liturgische Gesten

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Ein Körper für das Gebet (Teil 2)

Eine berühmte Handschirft aus dem 13. Jh. nennt die "neun Arten zu Beten des Hl. Dominikus". Neun Miniaturbilder zeigen sodann diese Gesten des Heiligen: die Arme ausgebreitet wie am Kreuz, die Hände zum Himmel erhoben, oder eine Verneigung, oder Prosternatio ...! Ebenso werden die im vorherigen Artikel genannten liturgischen Haltungen (stehen, sitzen, knien) ergänzt durch die im Laufe der Liturgie von Seiten des Zelebranten oder der Gläubigen verwandten Gesten. Einige Gesten sind ihrer Natur nach sakramental (wie beispielsweise die Handauflegung) oder sind fester Bestandteil der Liturgie der katholischen Kirche (wie die Elevation von Brot und Wein nach der Konsekration oder der Friedenskuß, bezeugt in den apostolischen Schreiben wie 1 Thess 5,26, und der nach dem zweiten Vatikanum durch die Liturgiereform wieder in die Feier der Eucharistie aufgenommen wurde); diese werden hier nicht weiter behandelt, wo wir einige Gesten näher betrachten, die die versammelte Gemeinde macht.

 

 

Das Kreuzzeichen: ein kleines Kreuz auf der Stirn tauchte bereits sehr früh im Rahmen der Taufe auf, als Zeichen der Zugehörigkeit zu Christus und für den Glauben an seinen Tod und seine Auferstehung. Die Christen wiederholten sodann diese Geste selbst. Auch als Segenszeichen wurde das Kreuzzeichen früh verwandt. Doch das große Kreuzzeichen, dass sich die Gläubigen auf den eigenen Leib zeichnen, vom Kopf zur Brust und von einer Schulter zur anderen (von links nach rechts für die katholischen, und von rechts nach links für die orthodoxen Christen) ist ein neuer Brauch. Diese Geste eröffnet alle liturgischen Feiern "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", und erinnert so gleichzeitig an das Mysterium der Erlösung durch das Kreuz Christi und an das der Dreifaltigkeit. Deshalb können wir es immer dann, im Laufe einer Liturgie machen, wenn die Dreifaltigkeit angerufen wird; die ostkirchlichen Christen bezeichnen sich dabei mit drei verbunden Fingern um der Einheit der Dreifaltigkeit Ausdruck zu verleihen. Das Kreuzzeichen ist ebenso mit der Verkündigung des Evangeliums verbunden, Wort des lebendigen Christus, und wird deshalb bei einer Eucharistiefeier vor dem Evangelium gemacht, und bei einer Gebetszeit vor dem Gesang eines Canticums, das einem Evangelium entnommen ist (vor dem Benedictus bei den Laudes, dem Magnificat in der Vesper, und dem Nunc Dimittis bei der Komplet; alle drei entnommen aus Lk 1und 2).

 

Das Erheben der Hände ist die traditionelle biblische Geste des Gebets (Ex 17,9-12; Jes 1,15; Klgl 3,41; und in zahlreichen Psalmen wie 28(27),2; 63(62),5; 134(135),2; ...); sie wurde von den ersten christlichen Generationen übernommen. Die Ikonographie hat schöne Darstelllungen Betender bewahrt (öfter sind dies Frauen als Männer), die beten, indem die Arme halb erhoben sind, die Hände geöffnet und die Daumen zum Himmel zeigend. Dies ist die Geste, die wir machen, wenn wir das Vater Unser beten, und die das Opfer zum Ausdruck bringt, das wir aus uns selber machen durch das Gebet des Sohnes. Mit zum Himmel ausgestreckten Armen begleiten wir dagegen häufiger Gebetsbitten - so hat Mose gebetet, mit erhobenen Armen, damit das Volk siegreich sei (vgl. Ex 17,11); und für die Christen ist es dazu mit dem Gebet Jesu, die Arme ausgestreckt am Kreuz,  assoziiert worden. Doch sie bringt auch Segen (vgl. Ps 134) und Lobpreis zum Ausdruck; vor allem in diesem Sinn ist es für uns durch die Charismatische Erneuerung vertraut als Zeugnis für die Freude des Gebets.

Bei unseren Gemeinschaften von Jerusalem begleitet diese Geste das Lucernarium in der Vesper, den Gesang eines Verses aus Psalm 141(140): "Wie ein Opfer des Weihrauchs steige mein Gebet vor dir auf, als Abendopfer gelte vor dir, wenn ich meine Hände erhebe."

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