Das Lucernarium

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Was ist das Lucernarium?

Es ist schwierig, den Ursprung dieser Geste zu bestimmen, denn der Ritus des Entzündens der Lichter bei Sonnenuntergang existierte bereits in der griechisch-römischen Kultur, meist verbunden mit heidnischen Kulten. Im Judentum nimmt die Segnung des Lichtes am Abend des Sabbats eine wichtige Stellung ein. In jeder Familie ist es die Frau des Hauses, diesen Ritus ausführt.

 

Wo auch immer sein Ursprung liegen mag,  der Ritus des Lucernariums ist bereits sehr früh für die christlichen Gemeinden belegt. Im 4. Jahrhundert schreibt der Hl. Basilius, Bischof von Caesarea in Kappadokien, darüber wie über eine bereits alte Praxis: „Es erschien unseren Vätern gut, das abendliche Licht nicht in Stille zu empfangen, sondern dafür Dank zu sagen, dass es leuchte. Wer ist der Vater der Worte dieser Danksagung für das Lucernarium? Wir wissen es nicht zu sagen. Doch das Volk spricht dennoch die alte Formel: O Licht voller Freude, Glanz der Herrlichkeit des Vaters, heilig bist du, Herr Jesus Christus!“ (aus seiner Abhandlung über den Heiligen Geist). Dieser Gesang schloss sich an das Sprechen des Psalms 141 (140) an: „Mein Gebet steige wie Weihrauch vor dir empor, ich erhebe meine Hände als Opfergabe am Abend zu dir!“

 

Ein ähnliches Ritual wird von Egeria, eine vornehme Dame aus dem Westen des römischen Reiches, die mehrere Jahre durch Palästina, Ägypten und Syrien reiste, für den Beginn der Vesper um 380 in Jerusalem in der Anastasis bezeugt (Reisebericht, Fontes Christiani 20).

 

Die Gemeinschaften von Jerusalem haben dieses Ritual des Lucernariums übernommen: zu Beginn der Vesper, nach dem Gesang zum Heiligen Geist und dem Hymnus. Es setzt sich aus dem Weihrauch- und dem Lichtritus zusammen: Inzenz des Altares, (der Ikonen) und der versammelten Gemeinde, begleitet durch den Gesang des Psalms 141 (140). Anschließend Entzünden der Kerzen der Menorah und auf dem Altar zum Gesang „ O Licht voller Freude“.