Palmsonntag

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Am Sonntag, der Ostern vorausgeht, feiert die Kirche den messianischen Einzug Jesu in Jerusalem, der heiligen Stadt. Es ist zugleich der Beginn der Heiligen Woche, beginnend mit den Vigilien am Vorabend und dem Wechsel der liturgischen Farbe von violett zu rot.

 

 

 

Der Bericht des Einzugs in Jerusalem, der sich in allen vier Evangelien findet, wird zu Beginn der Palmprozession verlesen, direkt vor der Messe in der Version einer der synoptischen Evangelien je nach Lesejahr. In den Vigilien am Samstagabend vor Palmsonntag wird er aus dem Johannesevangelium entnommen. Zwei Charakterzüge sind erkennbar: der Sieg und die Demut.

 

 

Nach der erfahrenen freundschaftlichen Aufnahme in Bethanien bei Martha und Maria verlässt Jesus dieses Dorf, wo er seinen Freund Lazarus wieder zum Leben erweckt hatte, und steigt hinab zur heiligen Stadt, um dort das Pascha-Fest zu feiern. Während seine Gegner danach trachten, sich seiner zu bemächtigen, trifft er auf eine ihm zujubelnde Menge, die ihn wie ein königliches Gefolge bis zu den Toren der Stadt begleitet. Durch die Auferweckung des Lazarus hat Jesus über den einzigen Feind triumphiert, der noch unbesiegbar galt: den Tod. Von da an kann er den Sieg seines Reiches verkünden und feierlich in Jerusalem einziehen, auf dem Reittier der Königseinführung sitzend ( 1 Kön 1,33), die Verehrung seiner anhänger empfangend nach der Tradition des "freudigen Einzugs" (2 Kön 9,13); zugleich erfüllte sich so die Prophezeihung des Sacharja: "Juble laut, Tochter Zion! Sieh, dein König kommt zu dir. er reitet auf einem Esel." (Sach 9,9). Schon die Ausrufe Simeons und Hannas bei der Darstellung Jesu im Tempel, war eine erste Realisierung dieser Prophezeihung, die sich vollkommen bei der Himmelfahrt erfüllen wird, wenn der Herr ins himmlische Jerusalem eintritt, nach der Erniedrigung des Kreuzes, in der Erwartung seiner Wiederkunft, wenn er mit allen Heiligen wiederkommen wird auf dem Ölberg (vgl. Sach 14,4-5). Die verlesene Evangelienperikope unterstreicht diese messianischen Charakteristika durch die Erwähnung der Palmen, den Ausruf "Sohn Davids und König Israels", auf Jesus bezogen, und den Gesang des Hosanna.

 

Den Einzug Jesu in Jerusalem zu feiern, mit Palmen in der Hand, dieselben Akklamationen singend, ist eine Art zu bekräftigen, dass wir an den endgültigen Sieg Christi glauben, dass sein Königreich das einzige Ziel unseres Lebens ist, und dass Jerusalem auf seine Weise das mystische Zentrum der Welt darstellt. Wir erinnern uns so daran, dass unsere taufe uns zu Bewohnern dieses Reiches gemacht hat und dass unser ganzes Leben offen sein soll für sein Kommen in Herrlichkeit, wenn Gott alles in allem sein und Christus als der einzige König der gesamten Schöpfung erscheinen wird.

 

Doch in diesem Willkommenheißen der königlichen Verehrung fügt Jesus selbst ein wichtiges Korrektiv hinzu: er reitet auf einem Esel und nicht auf einem Pferd. Er ist der friedenstiftende König, der Messias der Armen, wie ihn Sacharja sieht: "Er ist demütig und reitet auf einem Esel, dem Fohlen einer Eselin" und ist gekommen, um "den Frieden zu verkünden". So das einzige Zeichen des kommenden Königs. "Als einziger von allen Königen hat sich Jesus auf ein Tier gesetzt, dass noch nie das Joch zuvor erfahren hat" (Cyrill von Jerusalem). Es ist diese Vision des Messias, "sanft und von Herzen demütig" (Mt 11,29), die entschieden hat, Mensch zu werden, indem er die friedvollen Kennzeichen der Patriarchen an sich nahm (Gen 49,11). Von der Krippe in Bethlehem bis hin zu seinem Einzug in Jerusalem wollte er diese Demut, und es sind die Kinder, die ihn bezeugen bei seinem Inanspruchnehmen des irdischen Thrones (Johannes der Täufer, die unschuldigen Kinder) wie bei seinem Verlassen. Diese Thronbesteigung war "eine Thronbesteigung der Güte, nicht des Gerichts, der Vergebung, nicht der Vergeltung." Er wollte bei den Menschen erscheinen "nicht in der Herrlichkeit seines Vaters, sondern in der Demut seiner Mutter." (Cyrill von Alexandrien).

 

Der Palmsonntag ist auch sein Übergang, der seiner Passion, und die Lesungen der Messe die unmittelbar auf die Palmenprozession folgen stellen uns vor die Realität des Kreuzes, ohne auf den Karfreitag zu warten, als würden sie zusammen eine vornehme Eingangshalle bilden zur "großen Woche".

 

Das Lied des leidenden Gottesknechtes aus Jesaja 50, 4-7, wie der Hymnus aus dem Brief an die Philipper (2,6-11), legen den Akzent auf das freiwillige Leiden des Messias. Er hat sich denen nicht entzogen, die ihn töten wollten, "er hat sich selbst erniedrigt". Die Lesung der Passion, jedes Jahr aus dem Evangelium des markus entnommen, zeigt Jesus, wie er die Ereignisse geschehen lässt, damit sich diese Kenose des Menschensohnes erfülle.

 

Doch da wir Christus bei seinem Triumpf an diesem Tag gefolgt sind, erlaubt uns unser Glaube an seinen endgültigen Sieg den Skandal des Kreuzes zu überwinden und neu zu leben, Tag für Tag, jede Etappe, die uns zu seiner Passion und seiner Auferstehung führt.

 

Patristische Lesung zum Tag (auf französisch)

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