Gründonnerstag

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"Bei dem Geheimnis deines Mahles, an diesem Tag, o Sohn Gottes, lass mich Anteil haben..." singt der christliche Osten in diesem schönen Troparion zum Hohen Donnerstag, wie der Gründonnerstag auch genannt wird. Dabei deckt er uns auf, was wir an diesem Tag feiern: wir sind versammelt am Tisch Jesu, nehmen teil an seinem Mahl, an seinem mystischen Abendmahl.

 

 

 

Dieser gesegnete Tag ist der Tag, an dem unser Jesus Christus selbst uns an seinem Tisch Platz nehmen lässt. Es ist die "Feier des Herrenmahls" nach den Worten des Apostels (1 Kor 11,20).

 

 

"Geht und bereitet für uns das Paschamahl vor"

"Geht und bereitet für uns das Paschamahl vor, damit wir es gemeinsam essen können", sagt Jesus zu seinen Jüngern. Denn es handelt sich um ein Fest, dass vorbereitet werden muss. Ein großes Fest. "Es ist das Pascha des Herrn!", ruft das Buch Exodus aus. Es ist das Pascha des Herrn: Feier des Aufbruchs. Ein versklavtes Volk verlässt die Sklaverei und schlägt den Weg der Freiheit ein. Der Gründonnerstag nimmt uns wieder mit hinein in die heilige Geschichte, die auch unsere Geschichte ist. Es ist dieses Paschamahl unserer älteren Geschwister im Glauben, das das Geheimnis dieses Tages bewohnt.

"Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Paschamahl mit euch zu essen."

Dieses berührende Bekenntnis Jesu, das uns Lukas berichtet, gehört nicht der Geschichte an. Heute sehnt sich Jesus danach, dieses Paschamahl mit uns zu halten. Der Übergang von der Sklaverei in die Freiheit ist seitdem der der gesamten Menschheit, und dieser Übergang ist Jesus selbst in seinem Tod, in dem er am folgenden Tag verherrlicht werden wird. Und darin findet sich auch das Motiv der brennenden Sehnsucht Jesu. Der Hohe Donnerstag bereitet den Karfreitag vor. Das Paschamahl deckt den Sinn dessen auf, vor dem die Jünger am folgenden Tag fliehen werden.

 

Doch gibt es mehr: die Sehnsucht Jesu ist mehr als nur sinnstiftend: es ist auch seine Selbsthingabe. An diesem Donnerstagabend gibt er sich bereits, ganz und freiwillig. Alles ist schon gegeben: "Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird, nehmt und esst..." "Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung", berichtet uns das vierte Evangelium. Dieses "bis zur Vollendung" ist bereits vollbracht und es vollendet sich im Tod und in der Auferstehung Jesu. Den Gründonnerstag feiern heißt sich für diese Gabe öffnen, um mit Jesus weiterzugehen, um mit ihm zu sterben und so auch mit ihm aufzuerstehen.

Dann begann er, den Jüngern die Füße zu waschen

"Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu ihm zurückkehrte, ..." er beugte sich hinab zu Füßen seiner Jünger, nachdem er sein Obergewand abgelegt hatte. Der Hohe Donnerstag lässt uns Gott betrachten, der sich niederbeugt, um uns die Füße zu waschen. Der Herr, "wie ein Sklave", vollzieht eine Geste, die nicht einmal ein jüdischer Sklve bereit war auszuführen. Dies konnte nur ein heidnischer Sklave tun. Diese Geste wählt Jesus in der Stunde, in der er aus dieser Welt zu seinem Vater hinübergeht. Eine Geste, die seine Hoheit zum Ausdruck bringt, sie etabliert. Denn Jesus "erweist diesen Dienst, nicht weil er der Herr sein will, sondern weil er es ist." (nach F.-X. Durwell)

 

Doch diese Geste Jesu ist mehr als eine Geste der Demut: es ist eine Geste der Gastfreundschaft, nicht eines Hauses aus Stein, sondern seines eigenen Leibes. Jesus empfängt uns in seinem Leib: "Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir" (Joh 13,8). Jesus nimmt uns in sich auf und, indem er dies tu, reinigt er uns. Deshalb ist es in der Liturgie des Gründonnerstags eine aussagekräftige Handlung, alle Gläubigen an dieser Geste des Dieners teilhaben zu lassen. Denn Jesus kniet vor jedem einzelnen nieder, um ihm die Füße zu waschen. Jeder wird von ihm willkommen geheißen. So mögen wir es sehr, in unserer Liturigie der Gemeinschaften von Jerusalem, die Hände aller anwesenden Gäubigen zu waschen, die sich dabei zusprechen lassen dürfen: "Gott schenke dir seinen Frieden und wasche dich rein." Die beim Paschamahl vorgesehene Reinigung vor der Segnung des zweiten Kelches, der Haggada, findet so seinen vollen Sinn: Christus Jesus reinigt uns von aller Sünde, indem er sich selbst erniedrigt in seiner Passion, und er sagt zu allen, die sich seiner Liebe öffnen: "Auch ihr seid rein" (Joh 13,10).

"Nehmt, das ist mein Leib"

Auf die Händewaschung und den Kelch der Haggada folgt im jüdischen Ritual, das Paschamahl mit der Segnung des Brotes aus Sauerteig, die vom Vamilienvater gesprochen wird, und, nach dem Verzehren des Lammes, der dritte Kelch, der "Kelch des Segens" genannt wird. An diesem Hohen Donnerstag gibt Jesus diesen beiden Segensgebeten über Brot und Kelch einen neuen noch nie gehörten Sinn: "Dies ist mein Leib, hingegeben für euch".

"Dies ist mein Blut"

"Wenn wir seinen Leib essen, der für uns hingegeben wird, sind wir gestärkt; wenn wir von seinem Blut trinken, dass für uns vergossen wurde, sind wir gereinigt" - so die Präfatio an diesem Gründonnerstag. Damit schenkt sie uns das Wesentliche des eucharistischen Geheimnisses. Aus dem Segenskelch des Seder-Mahles, der zum Lobpreis einlädt, macht Jesus das Zeichen der Hingabe seines Blutes. Sein Blut wird vergossen werden - es ist die explizite Ankündigung seines nicht-gewaltsamen Todes - und dieses Blut ist für die Menschen vergossen, dieses Blut, das symbolisiert, dass das Leben selbst im Leben Jesu entspringt für alle, die es trinken. Ebenso ist dieses Blut der Wein, der neue Wein, der Wein des Festes, den Jesus schenkt, wie er es bereits als sein erstes Zeichen bei der Hochzeit zu Kana getan hat.

 

Der Gründonnerstag lässt uns auch einen neuen Bund feiern, denn das Blut ist das "Blut des Bundes", wie Jesus uns sagt, wie es das Blut war, mit dem Mose das Volk besprengt hat, um durch dieses Zeichen des Lebens den Bund zu besiegeln, den Gott seinem Volk angeboten hatte. "Das Herrenmahl" feiern ist mehr, als sich an seinen Tisch zu setzen, es heißt, in diesen neuen Bund hineingerufen zu sein, in einen ewigen Bund. Sein vergossenes Blut offenbart seine beständige Liebe.

"Tut dies zu meinem Gedächtnis"

Wenn der Tod sich nähert, kommt auch die Stunde des Testamentes. Jesu Testament ist kurz: "Tut dies zu meinem Gedächtnis". Das, was er von seinen Jüngern verlangt, ist die Feier der Eucharistie, das Teilen des eucharistischen Brotes und Weines "zu seinem Gedächtnis". Der Gründonnerstag ist im Kirchenjahr der Tag, an dem die Kirche nicht nur die Einsetzung der Eucharistie feiert, sondern gleichzeitig auch ihre eigene Geburtsstunde.

 

In diesem Gebot scheint auch das enizige Gebot Jesu durch, das Gebot der Liebe, das Jesus seinen Jüngern an demselben Abend anvertraut. "Tut dies zu meinem Gedächtnis" ist so eine Einladung an die Jünger, sich der Liebe auszuliefern, wie er sich ausliefert, und es mit ihm zu tun. So erscheint der Gründonnerstag auch als der Tag, an dem der Ruf nach der immer größeren Liebe ertönt.

Jesus begab sich mit seinen Jüngern auf die andere Seite des Kidron

Ebenfalls an diesem Abend des Gründonnerstags lädt Jesus uns ein, wie damals seine Jünger, ihn zu begleiten, mit ihm hinabzusteigen, mit ihm gemeinsam diesen großen Abstieg zu beginnen, diese Kenose, die ihn bis zum dem Gefühl führen wird, vom Vater verlassen zu sein, dabei ganz sein unendliches Vertrauen als Sohn wahrend. Am Ende des Mahls lädt uns Jesus ein, mit ihm den Kidron zu überqueren; dies ist der Sinn der Prozession, die sich an die Liturgie anschließt  (in unseren Gemeinschaften, wo es von den räumlichen Gegebenheiten her Sinn macht). Das Paschamahl ist ein Mahl des Aufbruchs. "Steht auf, wir wollen von hier weggehen", sagt Jesus zu seinen Jüngern. Dies ist nicht das eschatologische Festmahl, es ist die Stunde des Aufbruchs! Es ist die Stunde des Kampfes der Agonie, in der Jesus nicht nur mit der Flucht der Seinen konfrontiert wird und dem Feuer der Erniedrigung, sondern auch mit seiner eigenen menschlichen Schwäche und, mehr noch, der Macht der Finsternis: "Das ist eure Stunde, jetzt hat die Finsternis die Macht." So spricht er zu den Wachen des Tempels und den Ältesten (Lk 22,53). So lässt uns auch die Liturgie unseren Kirchenraum von allem Schmuck befreien, um dieses Drama zu verdeutlichen, das sich im Herzen Jesu abspielt und wo sich das Schickal der ganzen Menschheit entscheidet.

 

Die Feier des Gründonnerstags setzt sich in der Stille der Nacht fort, in der die letzten Worte Jesu widerhallen, die er seinen Jüngern anvertraut hat, bis zum letzten Aufruf: "Bleibet hier und wachet mit mir." Und die Kirche wacht im Gebet vereint an dem Ort, an dem an diesem Abend der eucharistische Leib des Herrn aufbewahrt wird.

 

Eine Patristik zum Tag lesen (auf französisch)

Das Nachtoffizium aus unserer Gemeinschaft in Paris ansehen (französisch, Zusammenfassung aus dem Jahr 2012)

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