Karfreitag

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Wie kann man des Todes gedenken? Wie kann man sich diesem erschütternden Ereignis zuwenden, dem Tod Gottes, getötet durch den Menschen, mehr noch, ihn feiern? Angesichts des Kreuzes passt nur die Stille...

 

Deshalb begeht die Kirche diesen Freitag zu allererst als Fasttag: es ist kein Fasten aus Reue - denn dieses Mysterium geht weit über uns hinaus - sondern eher ein österliches, in dieser Zeit, in der uns der Bräutigam genommen ist (Mt 9,13).  Es findet auch keine Eucharistiefeier statt: die einzige, universale Messe ist, auf dem Kalvarienberg, die des einzigen wahren Hohenpriesters, der die HImmel durchschritten hat (Hebr 4,14). Doch wird die "Feier der Passion des Herrn" begangen, die ihren Ursprung in der Tradition in Jerusalem hat, wo seit dem 4. Jh. dieser Tag einen Pilgerweg vorsieht entlang der Orte der Passion, vom Obergemach bis nach Golgotha; und ebenso in der römischen Tradition, in der sich das universelle Gebet für die Kirche findet. Was könnten wir anderes tun, als Schritt für Schritt den Etappen der Passion zu folgen, von weitem, wie die heiligen Frauen (Lk 23,49), und daran teilzunehmen, indem wir für alle Menschen beten, in der Nachfolge dessen, der unsere Leiden auf sich genommen hat (Jes 53,4)?

 

 

In Frankreich kann die Liturgie erst am Abend beginnen, da es ein normaler Arbeitstag ist. So beginnen wir zur Zeit der Kreuzigung am Nachmittag einen Kreuzweg auf unsere Weise, so wie es uns in "Jerusalem" je nach örtlichen Gegebenheiten möglich ist, ihn zu begehen. Es ist ein biblischer Kreuzweg, indem wir Auszüge aus den Evangelien der Passion hören, Meditationen dazu und Gesänge - all dies erlaubt das Zeichen der unglaublichen Liebe Gottes zu den Menschen in der Stadt sichtbar werden zu lassen: das Kreuz Christi.

 

Am Abend - in Deutschland zur neunten Stunde, also um 15 Uhr am Nachmittag - beginnt sodann die Liturgie der Passion ohne jegliche Einführung direkt mit der Lesung des vierten Liedes vom Gottesknecht aus Jes 52-53. Die ergreifende Figur des Dieners: "so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch" (52,14), "er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet." (53,3); vor ihr verharren wir, getroffen von dem Erschrecken und dem Unverständnis. Doch bereits jetzt, wie eine Morgenröte, erstrahlt der Sinn, der diesem Sinnlosen des unschuldig Leidenden gegeben wird: "Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt." (53,5). Der erlösende Charakter des Todes Jesu, die geheimnisvolle Verwandlung des bis zum Tod reinen Schmerzes in der Verheißung des allen geschenkten Lebens werden auch in der zweiten Lesung aus dem Brief an die Hebräer angedeutet. Diese Lesung zeigt Christus ganz als Menschen, der "in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist" (4,15), aber der, "zu seiner Vollendung gelangt, für alle der Urheber ewigen Heils geworden" ist (5,9). Der Gehorsam Christi bis zum Tod, die Leiden seiner Passion, aber auch die souveräne Freiheit, mit der er sie trägt, können danach bei der folgenden Lesung der gesamten Passion aus dem Johannesevangelium betrachtet werden.

 

"Seht das Holz des Kreuzes, das das Heil der Welt getragen." Das Kreuz selbst wird anschließend allen Gläubigen zur Verehrung dargeboten. Wo es möglich ist, wird es im Altarraum neben dem Altar aufgerichtet, denn an diesem Freitag wird auf dem Altar des Kreuzes das einzige Opfer dargebracht; und jeder kann sich davor hinknien auf den Stufen des Altars und das Kreuz berühren: Zeichen unserer antwortenden Liebe auf die uns geschenkte absolute Liebe. In dieser Geste der Dankbarkeit ist nichts morbides zu finden: es ist das Bekennen unserer Sünde, das dazu beigetragen hat, dass sich die Liebe hat kreuzigen lassen, aber vor allem das Bekennen der Macht Gottes angesichts des Todes, um ihn zu besiegen. Dieser Leidende ist ein Mensch der Schmerzen; aber er ist zugleich der Heilige Gott, der Starke Gott, der Unsterbliche Gott, den die Improprien besingen, dieser Gesang, der die Klagen benennt (so der litterale Sinn des Wortes Improprium), die Gott seinem Volk gegenüber äußert: "O mein Volk, was hast du getan? Womit habe ich dich betrübt? Antworte mir."

 

Es bleibt noch, am Opfer Christi teilzuhaben, das nun vollbracht ist. Jesus ist tot; sein lebloser, blutleerer Leib hängt am Kreuz. "Es ist vollbracht", alles ist gegeben. Deshalb kommunizieren wir an diesem Tag nur am Leib Christi und nicht an seinem vollkommen vergossenen Blut; und zwar mit den am Tag zuvor bei der Feier des letzten Abendmahls konsekrierten Hostien.

 

In unseren Gemeinschaften von Jerusalem wird noch ein letztes Ritual vollzogen, in Verbundenheit mit dem christlichen Osten: die Grablegung. Wir betrachten den letzten Dienst des Josef von Arimathäa, der den Leib Jesu an sich nahm, und die Heiligen Frauen, die diesen in ein Leinentuch wickelten und ihn mit wohlriechenden Ölen salbten (Joh 20,39-42). Der Körper Jesu wird auf den Altar gelegt, eingehüllt in Leinentücher, während am Fuß des Altares Gefäße für das Salböl aufgestellt werden. "Kommt" singt das byzanthinische Troparion, "und preist das Gedächtnis des Josef von Arimathäa, der in der Nacht zu Pilatus kam und von ihm den Leichnam dessen erbat, der unser Leben ist ...". "Alles ist vollbracht", Christus ruht nun auf dem Felsen, für einen langen Sabbat, den feierlichen Sabbat, der den achten Tag, das Licht der Auferstehung eröffnet.

 

eine Patristik zum Tag lesen (auf französisch)

einen Mitschnitt der Karfreitagsliturgie aus Paris ansehen

den Mitschnitt der Darstellung der Grablegung ansehen (aus Paris)

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