In der Wüste des Aubrac - Sommer 2010 PDF Drucken E-Mail
Veröffentlicht am 15. September 2010

Einen Sommer in der Wüste...

suchen alle Brüder und  Schwestern zu leben, die sich jedes Jahr auf dieses wüstenartige Hochplateau des Zentralmassivs mitten in Frankreich begeben, das man Aubrac nennt. Hier ist das "Dreiländereck" der drei französischen Departements Aveyron, Cantal und Lozère. Wir hoffen immer auf ein wenig Sonne, denn bei der etwas spartanischen Lebensart ist das Klima nicht unwichtig! Dieses Jahr war sie da und hat so aus diesem Augustmonat eine echte Zeit der Erholung werden lassen. Um das Leben der Schwestern und Brüder im Aubrac besser zu verstehen und der Frage nachzugehen, warum sie im August dort sind, seien Sie herzlich eingeladen, die Fortsetzung des Artikels zu lesen und die Fotos dieses Sommers zu betrachten.

Zum Diaporama (© FMJ)

 

Warum fahren die Gemeinschaften von Jerusalem ins Aubrac?

Der Gründer, P. Pierre-Marie Delfieux, stammt ursprünglich aus dem Departement Aveyron (aus dem Dorf Campuac) und so ist es evident, dass er an dieses schöne Plateau dachte, als er für die Brüder und Schwestern im August einen Ort der Wüste suchte. Das Aubrac ist eine unter Naturschutz stehende wüstenartige Landschaft im Herzen des Rouergue, mit seinen verstreut liegenden Hirtenhütten, die leider dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen waren. So bekam seine Idee einen zweifachen Wert: man könnte zur Restaurierung dieses regionalen Kulturgutes beitragen (indem man die notwendigen Arbeiten koordiniert, im Einverständnis mit den Besitzern, und zudem je nach eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten selbst tätig wird); im Gegenzug könnten die Brüder und Schwestern vom guten Klima des Aubrac profitieren, indem sie sich drei Wochen im Jahr in die Hütten zurückziehen könnten. Der Vorschlag fand bei den Besitzern, mit denen man Kontakt aufnahm, sehr großen Zuspruch.

 

Nach einigen Jahren konnten die notwendigen Arbeiten beendet werden. Die monastischen Gemeinschaften erhielten dafür vom Departement Aveyron den zweiten Preis in der Kategorie "Restaurierung" für ihren Beitrag zum Erhalt des Kulturerbes. Nun bleiben nur noch einige Verbesserungen des Komforts (Isolierung, Holzverkleidung, das Fertigen von Möbeln,...). Dabei wird natürlich immer die Umgebung geachtet: es gibt keinerlei Arten von Leitungen, da es weder fließendes Wasser gibt noch Elektrizität - und es finden nur Produkte Verwendung, die die Umwelt nicht zerstören.

 

Was tun die Brüder und Schwestern im Aubrac?

Der Monat August ist in erster Linie eine Zeit des Rückzugs und der Erholung. Dafür bietet das Aubrac hervorragende Bedingungen: die großen weiten Weideflächen unter einem unendlichen Himmel sind ein Ort der Betrachtung der Schönheiten der Natur, wie Gott sie erschaffen hat, und ebenso laden sie zu erholsamen Wanderungen entlang zahlreicher Wege ein, die das Plateau durchziehen.

 

Am Morgen, nach den Laudes und einer Zeit, die der Meditation der Heiligen Schrift (Lectio divina) vorbehalten ist, machen sich die kleinen Gemeinschaften der Brüder oder der Schwestern (das hängt vom jeweiligen Hügel ab!) an die Arbeit: im Garten, Beseitigen von Brennnesseln, Reparatur von eventuellen Schäden durch den Winter oder die Herden (Zäune, ...), während einer (oder eine) sich der Küche widmet. Am Mittag treffen sich die einzelnen kleinen Gemeinschaften zur Eucharistiefeier (oder im Fall der Schwestern zur Kommunionfeier) in dem Raum der Hirtenhütte, der nun dem Gebet geweiht und dafür eingerichtet ist; in den meisten Fällen ist es der ehemalige Käsekeller, dessen Wände jedoch geweißt wurden, um ihn ein wenig heller zu machen. Es folgt das Mittagessen und eine Zeit der Rekreation, des gemeinschaftlichen Austausches bei einer Tasse Kaffee (oder Tee!).

 

Am Nachmittag erholt man sich oder geht spazieren, liest, sammelt wilde Beeren, um Marmelade zu kochen, oder widmet sich dem Handwerk ... zur Vesper dann trifft man sich wieder, wenn die Sonne unterzugehen beginnt, um gemeinsam das "Licht voller Freude" zu feiern, das Christus ist. Nach der Komplet, dem letzten Gebet des Tages, das auf das Abendessen folgt, braucht es nicht lange, bis die Kerzen gelöscht werden ... und jeder (jede) schläft friedlich ein in seiner Hütte unter einem atemberaubenden Sternenzelt.

 

Sonntags, ganz nach Art der alten Mönche der ägyptischen Wüste, pilgern die Brüder und Schwestern aus allen Richtungen von ihren einzelnen Hügeln zur Dorfkirche in Aubrac, um gemeinsam die Messe zu feiern. Dies ist auch die Gelegenheit, um die Gläubigen zu treffen, seien sie aus der Gegend oder auf der Durchreise. Auch der Jakobsweg führt hier entlang. So erfüllt eine ebenso betende wie frohe und geschwisterliche Atmosphäre für einige Stunden das kleine Dorf Aubrac.