Zu Allerheiligen: Der Hl. Eliphius

Allerheiligen: Entdecken Sie den hl. Eliphius, zweiter Patron von Groß Sankt Martin

Der heilige Märtyrer Eliphius ist heute fast vergessen. Umso mehr, wenn sein Platz über dem südlichen Nebenaltar mit seiner Holzstatue wegen Restaurierung für paar Monate leer steht! Es gibt nur wenig gesichertes über den hl. Eliphius (andere Schreibweisen: Elifius, Eliphe, Elophe auf französisch), doch er ist der zweite Patron der Kirche Groß Sankt Martin, deshalb sei ihm hier der Raum gegeben, ihn näher kennenzulernen.

Über das Leben und Sterben des Heiligen

Das Martyrologum Romanum verzeichnet unter dem Datum des 16. Oktober: In Köln (das Fest) des Heiligen Eliphius, Märtyrer unter Julianus Apostata. Der Kölner Diözesananhang zum Röm. Meßbuch enthielt bis 1933 die Anordnung, daß an diesem Tag die Meßgebete für die Märtyrer, die keine Bischöfe waren, zu verwenden sind. Somit steht fest, daß Eliphius kein Bischof war.


Wenn man die Informationen aus dem Diözesananhang der Diözese St. Dié in Lothringen zum Brevier, aus dem von Kanonikus André Laurent verfaßten Pilgerheft «Saint Elophe, sa vie, son église, son pèlerinage» nachschlägt, dann ergibt sich folgende offizielle Biografie: Eliphius, in der ehemaligen Diözese Toul geboren, war ein junger, vornehmer Bürger aus Solimariaca (heute Soulosse), eifriger und überzeugter Christ von tadellosem Lebenswandel und mutiger Prediger. Deshalb wurde er unter der Herrschaft Julians des Abtrünnigen enthauptet. Allgemein wird als sein Todesdatum der 16. Oktober 362 angenommen.

Im Mittelalter wurde sein Leben mehrfach ausgeschmückt, z.B. um 1120 von Rupert von Deutz im Auftrag des Abtes Albanus von Groß Sankt Martin. Der Legende nach soll der Soldat oder Diakon Eliphius durch seine Predigten zahlreiche Menschen bekehrt, mit Dämonen gekämpft und Götzenfiguren zerstört haben. Man habe mit Versprechungen und Drohungen versucht, Eliphius zum Glaubensabfall zu bewegen. Doch habe Eliphius ein feierliches Bekenntnis abgelegt, seinen Feinden verziehen und gewünscht, auf dem benachbarten Hügel bestattet zu werden. Nach der Hinrichtung habe er sein abgeschlagenes Haupt in die Hände genommen und in einer Quelle gewaschen. Wenig später habe man ihn auf der Spitze des Hügels sich auf einen Steinblock niedersetzen sehen, der sich selbst zu seinem Grab ausgehöhlt habe.

Die Behauptung, Eliphius habe sein Haupt in den Händen getragen, wird auch von 60 anderen Märtyrern berichtet, z.B. von St. Dionysius. Es beruht wohl auf einen Mißverständnis einer Predigt des großen Kirchenlehrers Johannes Chrysostomos, der schrieb: «…So wie Soldaten, ihre Wunden zeigend, die sie in der Schlacht erhalten haben, sich an den König voll Vertrauen wenden, so bekommen auch die Märtyrer, ihr abgeschlagenes Haupt in ihren Händen haltend, vom König des Himmels alles, was sie wollen…». Diese im übertragenden Sinne gemeinte Formulierung wurde später von vielen wortwörtlich verstanden, so daß dann die Legenden aufkamen, die von der bildenden Kunst dargestellt und dadurch verbreitet und verfestigt wurden.

Die Holzstatue des Hl. Eliphius in Groß Sankt Martin

Die im Jahr 1986 erworbene Holzfigur des hl. Eliphius zeigt ihn in priesterliche Gewänder gekleidet. Die frühestens um die Mitte des 12. Jh. entstandene Holzstatue trägt noch eine alte Polychromierung, die zur Zeit restauriert wird.

Die in stark reduzierter Körperhaftigkeit gehaltene Skulptur ist streng symetrisch aufgebaut. Durch die Querfalten der Kasel gewinnt die eng anliegende Gewandung an Beweglichkeit. Bewundern Sie die schönen reinen Linien der Skulptur, die ausgewählten Komplementärfarben des Gewands, die Sanftmut, die Ruhe, die das Gesicht ausstrahlt.


Mit beiden Händen greift er an sein Haupt, um seine durch einen Schwerthieb abgetrennte Schädelkalotte festzuhalten. Die Legende berichtet, daß Eliphius nach seiner Enthauptung in Köln seinen Kopf in beide Hände genommen habe und in Begleitung zweier Engel bis zu einem Hügel gegangen sei, um seine Grabstätte zu bezeichnen.

Seine Reliquien, Zeichen der deutsch-franz. Versöhnung

Der hl. Gerhard, Bischof von Toul, schenkte die Gebeine des Hl. Eliphius seinem Lehrer, dem hl. Bruno, Erzbischof von Köln. Am 21.06.964 wurden die Reliquien nach Groß Sankt Martin übertragen, wo sie hinter dem Hochaltar und ab 1848 auf dem rechten Seitenaltar aufbewahrt wurden. Von den Gebeinen des Heiligen fehlen kleine Teile : Die Kinnbacke war im Mittelalter in Utrecht, ist aber seit der Reformation verloren. Kleine Reliquienpartikel erhielten Souloss, 1763 die Kirche St. Nicolas in Neufchateau und 1891 die Benediktinerinnen in Köln-Raderberg.


Im Jahre 1949 schenkte Kardinal Frings dem Bischof von St. Die die Schienbeine des Heiligen als Symbol des Friedens und der Versöhnung, und als Entschädigung für die begangenen Untaten während des zweiten Weltkrieges. So ist der hl. Eliphius der Patron der Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen geworden.

Wie verbreitete sich der Kult zu Ehren des Hl. Eliphius? Um 1070 soll Eliphius dem Kölner Erzbischof Anno im Traum erschienen sein: Eliphius versprach, den Erzbischof von Kopfschmerzen zu heilen, wenn dieser zu seinen Ehren zwei Türme am Ostchor der Kirche Groß Sankt Martin anfüge. Beide erfüllten ihre Versprechen! Aber 1150 brannte die alte Martinskirche ab, und auf ihre Ruinen wurde von 1160 bis etwa 1250 der heutige Bau errichtet.

Dennoch war früher auch der Kult des hl. Eliphius in Köln nicht sehr verbreitet. Man findet fast keine Zeugnisse über seine Verehrung. Ein Grund war die große « Konkurrenz » der Reliquien bedeutender Heiliger, z.B. die Heiligen drei Könige im nahen Dom, St. Ursula, St. Gereon. Zum anderen war wohl die Aufbewahrung der Reliquien des hl. Eliphius in Groß Sankt Martin der Popularität eher abträglich, denn hier fand bis zur Aufhebung des ehemaligen Klosters 1803 kein Pfarrgottesdienst statt wegen der häufigen und langdauernden Gottesdienste der Benediktinermönche. Deshalb werden damals viele Gläubige und Pilger diese Kirche kaum zum privaten Gebet aufgesucht haben.

Heute liegen in der ehemaligen Schatzkammer und heutigen Sakristei der Schwestern die Gebeine des hl. Eliphius in einem schmucklosen Bleikasten aus dem 19. Jh. mit der Inschrift Pretiosus Christi Martyr Eliphius (Eliphius, der teure Märtyrer Christi), denn die Silberschreine sind verschollen. Es gibt jedoch Überlegungen der Diözese, die Gebeine in den Seitenaltar, über dem sich die Statue befindet, zu übertragen.

Die Eliphius-Glocke

Als im Jahre 1434 bei einem Orkan drei der den Hauptturm zwischen den Flankierungstürmen bekrönenden Giebel einstürzten, wurde nur eine Glocke gerettet. Sie war auf den Namen des hl. Eliphius getauft, laut Inschrift vom Jahre 1382.

 

 

 

Sum Campana pii, qui nos defendat, Eliphy. Anno Milleno C ter, L, tres X que secundo Jhesus Christus. Amen.
«Ich bin die Glocke des hl. Eliphius, der uns beschützen möge, aus d. J. 1382, Jesus Christus. Amen»


Im zweiten Weltkrieg wurden vier Glocken zerstört. In den Jahren 1984/85 goß man fünf Bronzeglocken, die durch Spenden und Stiftungen finanziert wurden. Zu jedem Angelus klingt die Eliphiusglocke, die drittgrößte Glocke, die 820 kg wiegt, mit einem schönen G’-Ton.

Geistliche Meditation: Der hl. Eliphius weist auf Christus als Haupt der Kirche

Lesen Sie hier die Auslegung einer Schwester und die Predigt eines Priesters zum Fest des hl. Eliphius am 16. Oktober 2010.

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