Eine «neue Gemeinschaft»?

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Die Fraternitäten gehören zu den sogenannten "neuen Gemeinschaften". Wie stellen Sie sich zur Tradition der Kirche, insbesondere zum monastischen Leben, und welche Neuerungen führen Sie ein?

Wir verstehen uns wie an der Kreuzung zweier Wege, die beide ihren Ursprung im Evangelium haben: Da ist einerseits der Anruf, alles hinzugeben, sein Leben zu verlieren, wie Christus sagt; dann ist da aber auch die Einladung, unbeirrt seinen Weg zu gehen, und zugleich offen, einfallsreich, sogar schöpferisch zu sein. Es geht also darum, auf den tragfähigen alten Werten aufzubauen, das heisst, sich in einer guten "Tradition" zu verwurzeln, was nichts mit Traditionalismus zu tun hat! Aber diese Werten müssen wir heute auf eine Art und Weise leben, die uns befähigt, eine Antwort auf die wirklichen Bedürfnisse der Kirche und der Welt unserer Zeit zu geben. Ganz konkret legen wir die drei Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams ab; unser Leben richtet sich ganz auf das Gebet aus; wir leben in Gemeinschaft und teilen unsere Güter; wir tragen einen monastischen Habit, nehmen unsere Mahlzeiten in Stille ein, verbringen lange Zeiten allein in unserer Zellen… Die beiden Gemeinschaften der Brüder und der Schwestern haben je eine eigene Leitung und leben getrennt. Wir verzichten auf das Fernsehen, wir gehen nicht ins Theater oder ins Kino… und leben sehr gut damit!

 

Gleichzeitig passen wir uns an den Rhythmus der Stadt an, ohne uns hinter große Mauern zurückzuziehen. Um unser Brot zu verdienen, arbeiten wir halbtags und möchten so ein Zeichen der Solidarität, aber auch des Widerspruchs setzen. So sind wir Städter, Lohnempfänger, Mieter, ohne Besitzanspruch sei es persönlich oder gemeinschaftlich. Als Brüder und Schwestern singen wir unsere Liturgie vierstimmig, und möchten uns so dem Reichtum der Liturgie sowohl des christlichen Ostens als auch des christlichen Abendlandes öffnen. Die Welt ist nicht mehr monolithisch, und es ist wichtig, für ihre möglichen Verschiedenheiten sensibel zu werden (zumal wir Brüdern und Schwestern aus 30 verschiedenen Nationen stammen). Und dennoch ist es ein einziger Erlöser, der diese Welt zu ihrer Vollendung führt, darum gilt es, immer wieder zum Wesentlichen zurückkehren: zu Christus, auf den wir hören und unser Leben ausrichten müssen, damit unsere ganze Existenz wirklich in ihm geeint wird.

Fragen an Br. Pierre-Marie

Lebensweg

P. Pierre-Marie, können Sie uns Ihren Lebensweg kurz...

«Jerusalem»: ein innerer Anruf

Wie haben Sie den inneren Anruf empfangen, diese Gemeinschaft...

Erste Schritte

Mit wem haben Sie diese Gemeinschaft gegründet? Auf...

Die Spiritualität von «Jerusalem»

Wodurch zeichnen sich Ihre Gemeinschaften aus? Wie...

Eine «neue Gemeinschaft»?

Die Fraternitäten gehören zu den sogenannten "neuen...

Ein Platz und eine Mission in der Kirche

Was ist Ihr Status in der Kirche? Wie würden Sie Ihre...

«Jerusalem» und die Laien

Können Sie uns etwas über den Platz der Laien in...

Im Herzen der Städte, im Herzen der Welt

Welchen Stellenwert haben die Arbeit und das Leben...

Der Name «Jerusalem»

Warum der Name "Jerusalem"? Was bedeutet...

Einige Zahlen

Zum Schluss einige Zahlen… Wie viele sind Sie? Wie...

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